Und zum Schluss

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Liebe Daheimgebliebenen,

ihr dachtet es passiert nix mehr? Wir auch... aaaaber...

Um Mitternacht sind wir ins Bett. Ich konnte nicht schlafen, wohl zuviel Vorfreude auf die Arbeit (hüstel). Man liegt also im Dunkeln im Bett und unterhält sich so im Stillen mit dem lieben Gott über eben ihn und seine Welt. Man handelt mit ihm, man frägt nach weil man manches nicht versteht, man diskutiert mit ihm, redet sich innerlich in Rage, gibt wieder klein bei... Irgendwann sagt man dann so innerlich: "Wär denn nicht ein kleines Zeichen möglich, lieber Gott. Also ein klitzeklitzekleines? Also nur so ein gaaaanz kleines Zeichen, dass doch alles möglich ist?" Wirklich im nächsten Moment wackelt plötzlich sekundenlang das Bett wie blöde und Matthias raunzt mich schlaftrunken von der Seite an: "Jetzt hör halt auf so mit den Füssen zu treten und lieg endlich mal still." Ich muss schon sehr bitten: "Sorry, aber das bin gerade nicht ich. Das ist ein Erdbeben! Beschwer dich bei dem da oben!" Die filmreife Antwort: "Ach so, nur ein Erdbeben, dann ist ja gut", sprachs und schlief weiter. Hält man so etwas für möglich? Andere springen aus dem Bett und raffen Hab und Gut zusammen, er aber hat die Seele eines Metzgerhundes. Ich lag derweil hellwach im Bett und erlebte dann noch ein paar kleine, zitternde Minimalruckler. Bei jedem weiteren, wenn auch fast nicht mehr spürbaren Zittern, fragte ich mich, ob ich meine Anfrage an den lieben Gott vielleicht falsch formuliert hatte und darum direkt im Beschwerdemanagement gelandet war? Man konnte ja nie wissen. Aber damit war es das auch schon mit Schlaf für mich. Um vier gings zum Flughafen, einchecken bei United. Weder Frühstück noch kostenloses Fernsehen im Flieger (STEINZEIT) und jetzt sitzen wir am gemütlichen Flughafen in Washington und haben 7 Stunden Aufenthalt. Der Flughafen liegt fast 50 Kilometer außerhalb und es ist Dauerstau, also bleiben wir hier und harren der Dinge. Unser Flug soll nicht vom Streik betroffen sein. Dann sieht man sich wohl bald in alter Frische! Wenn jetzt nicht eine weltberühmte Opernsängerin im Flieger nach München neben mir sitzt, dann kommt keine weitere Email mehr.

Versprochen

Barbary Lane, eine verschollene Crew und eine Halbindianerin an der Bar

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05.09.2012

Barbary Lane, eine verschollene Crew und eine Halbindianerin an der Bar

Liebe Daheimgebliebenen,

Matthias hatte für heute nochmal einen Rundgang zu den Handlungsstätten von „Tales of the City – Amistad Maupin“ angesetzt. Darf ich ehrlich sein? Unter Weglassung bestimmter Details lässt sich wirklich alles verkaufen. Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir mal an die Mona-Lisa hätte in Wirklichkeit einen Vollbart gehabt und böse geschielt und Leonardo da Vinci hätte das rein aus künstlerischer Freiheit und wegen der Vermarktungsmöglichkeiten nur weggelassen. Heute kennt jeder das Bild nur so wie er es gemalt hat, die Mona ist selber schon lang verstorben. So ähnlich ist es mit Orten, die in der Realität existieren und von Autoren beschrieben werden. Ich jedenfalls habe den Müll, den Geruch von Exkrementen und die Mülleimer vor den Türen in der Macondrylane (eigentlich Barbarylane im Roman) geflissentlich ignoriert. Diese offizielle Straße (eher ein Weg wie durch Schrebergärten an einem supersteilen Hang) wird von der Stadt gepflegt und ist einer der Haupthandlungsorte.

Unser Weg führte uns dann, vorbei an der krümmsten Zickzack-Strasse der Welt, nochmal runter an den Pier 39 ans Meer und dann mit dem Cable Car zurück zum Hotel. Koffer packen, auschecken und wieder mit dem Cablecar runter zur Bahnstation. Sehr interessant zu beobachten. Ein weiteres Deutsches Paar hatte sich mit dem Fahrer und dem Schaffner des Cablecars angelegt. Es gibt da nämlich gelb markierte Flächen auf denen man nicht stehen darf, der mittlere Bereich, in welchem der Fahrer arbeitet ist frei zu halten und so weiter. Sowohl Schaffner als auch Fahrer hatten die beiden Deutschen mehrfach darauf hingewiesen, dass sie sich bitte nicht so in den Weg stellen sollen. Nach ungehörter Ermahnung gab es eine Generalstandpauke vom Schaffner, der erklärte, wie Amerikaner mit Regeln umgehen und dass diese für Deutsche auch gelten. Nun ja, die Deutsche Frau nimmt ja viel hin, aber kein Nein ohne ausreichende Angabe von Gründen. Und was ausreichend ist, das weiß die deutsche Frau, aber sicher nicht der amerikanische Schaffner. Also erklärte sie in fließendem Englisch, dass sie nur Touristin und der Landessprache nicht mächtig sei und bitte schon genau wissen wolle, warum sie sich so oder so zu verhalten habe. Wenn man ihr das erkläre wäre es o.k. aber ansonsten täte sie was sie wolle. Seufz, da kann sich jeder Botschafter in den Hintern beißen, wenn seine Landsmänner und Frauen so eine Show abliefern. Es ging recht laut zu, der Cable Car blieb dann auch auf einer Kreuzung mitten am Berg stehen und blockierte den Verkehr in alle Richtungen. Ich konnte innerlich nur den Kopf über meine Landsleute schütteln. Leider.

Am Flughafen haben wir dann einer jungen Dame den Tag gerettet, die vor uns eingecheckt hat und beinahe ihr Handy hätte liegen lassen. Wir haben es gesehen und sie zurückgerufen. Dann sind auch wir zu unserem Flieger und hörten die Durchsage: „Leider ist die Crew noch nicht eingetroffen, wir haben aber eine Ersatzcrew, welche das Boarding durchführen wird, danach warten wir bis die richtige Crew kommt und dann fliegen wir los!“ Hurra, das ist die Kontraditkion aller Erfahrungen die wir mit U.S. Airways gemacht haben. Hat da etwa jemand von der Crew sein Overheadcompartment nicht zu gemacht, harharhar. Nur flogen wir mit Virginair, nicht mit United. Aber tatsächlich, die Crew kam ganze 20 Minuten zu spät, während wir alle schon im Flieger saßen, und wir flogen später los. Die Damen neben Matthias hatte einen Weiterflug nach Canada von L.A. aus geplant und nur 15 Minuten Umsteigezeit einkalkuliert. Sehr sportlich, wenn man vielleicht sogar noch den Terminal wechseln muss. Der heilige Nikolaus, auch Schutzpatron der Reisenden, möge ihr geholfen haben den Flug doch noch zu erwischen.

Mit dem Hotelshuttelbus ging es vom Flughafen in L.A. zum Crowne Plaza. Ein junger Mann, Pilot bei der U.S. Airways hat sich während der Fahrt mit uns unterhalten. Er hatte den ganzen Tag auf seinen Einsatz am Flughafen gewartet, aber wegen diverser verspäteter Maschinen konnte er nicht fliegen und ist vom Flughafen direkt ins Hotel. Irgendwie auch total dämlich, wenn man einen ganzen Tag mit Warten auf ein Event verbringt, das nie eintrifft. Er kam ursprünglich aus San Diego und wir scherzten über die anstehenden Streiks der Lufthansa. Ich sehe mich mit Matthias schon am Flughafen von Washington stranden Ich muss übrigens sagen, dass das Buchen über Priceline, wo man bieten kann und die Hotels schlagen dann zu, sich gelohnt hat. 90 Dollar, ein schönes Zimmer, Abendessen im Restaurant und dann an die Bar, wo uns eine fröhliche Halbindianerin (Navajo) mit ihrem Mann in ein Gespräch verwickelte und uns mit ihrem Highschool-Deutsch beeindruckte, uns „Wie geht es Dir“ auf indianische beibringen wollte und dann noch „Mein Hut der hat drei Ecken“ sang. Aber sie sagte etwas, das mich sehr beschäftigt. "Armut entsteht im Kopf". Sie kam aus einer Armen Familie ohne Elektrizität und fließendem Wasser, aber sie waren rund, gesund und glücklich. Die Armut kam erst, als man ihr von offizieller Seite sagte, sie wären arm, weil sie eben kein fließend Wasser und keinen Strom hätten." Dieser Satz hat mich ziemlich zum Nachdenken gebracht. Und wie heisst es auch so schön: Im Wein steckt Wahrheit. - Also das ist definitiv die heutige Weisheit des Tages "Armut entsteht im Kopf."

Schräg gegenüber von uns saß übrigens eine Dame, die uns immer wieder beobachtete und dabei einen Lifesaver trank, ein giftgrünes Getränk, das mit Melone zubereitet wird und mich sehr stark an einen Cocktail aus meiner Kindergeschichte erinnerte. Der Ausklang des Tages war somit irgendwie skuril.

Gerade rief Michael noch an und meinte es sein nicht so schlimm, wenn unser Flug nach Hause nicht ginge, dann kämen wir einfach zurück nach San Diego und könnten uns um ihn kümmern. Ganz ehrlich, irgendwie ist der Gedanke nicht mehr zurückzukommen verdammt reizvoll. Um nicht zu sagen, verführerisch. Für morgen haben wir übrigens die Tagestour mit dem VIP_Bus durch ganz LA gebucht. Man darf gespannt sein, was wir sehen werden, wenn uns der Bus durch die Villenviertel fährt. Bisher denke ich wäre die Tour durch den Redwood-Wald was für die Eltern von Matthias gewesen. Die Restaurants und Bars von San Diego hätten wir gerne Astrid gezeigt, der lieben Paula hätten wir die Schmusekatzen im Zoo von San Diego gezeigt, diversen netten Menschen wie Rico und Betzy die Shoppingmöglichkeiten von San Francisco und irgendwie wäre es toll, wenn man einfach alle netten Menschen einpacken und mitnehmen könnte. Soviel Geld möchte ich mal verdienen, dass es mir wurscht ist, ich einen Flieger buchen kann und alle einladen…hurra… die nächste Runde geht aufs Haus!

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